Libyen: Viel Land – ein Führer

by Alfred Huber on 7.9.2009 · 0 comments

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Ich kenne kein anderes Land, wo es so wenig Werbung auf den Strassen, oder überhaupt in der Öffentlichkeit gibt. Keine Reklame-Tafeln für Coke, Instant-Suppen oder Unterwäsche wie in anderen Staaten üblich. Nein, dafür steht etwas anderes im Vordergrund: Die Revolution, die in diesen Tagen gerade 40 Jahre alt geworden ist. Und vor allem der starke Mann Libyens,  Muammar Al-Gaddafi, dessen offizielle Anrede „Bruder Revolutionsführer“ ist.

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Der Revolutionstag war jedenfalls Anlass für eine Riesen-Show, die der große Bruder inszenierte, bestehend aus einwöchigen Feierlichkeiten mit zwei Höhepunkten. Oder eigentlich drei, denn es gab auch ein Afrikanisches Gipfeltreffen am Vortag des eigentlichen Festtages der Revolution. Eigentlich hatte dieser Gipfel den Zweck, andere Afrikanische Führer für den eigentlichen Festakt nach Libyen zu locken. Tatsächlich kamen viele, aber hauptsächlich die „Schurken“ wie Mobutu von Zimbabwe oder Al-Bashir, der umstrittene sudanesische Präsident.

Am eigentlichen Festtag gab es dann zunächst die obligatorische Militär-Parade: ein Genuss  für den, der Kriege liebt und ein Greuel für jeden Friedensaktivisten. Der Aufzug von Panzern, Raketen und Truppen aus vieler Herren Länder wurde von zahlreichen Militärkapellen musikalisch begleitet. Tja und als erste durften die Militärmusiker des Österreichischen Bundesheers aufmarschieren. Und über dem ganzen Aufzug demonstrierten italienische Flugstaffeln ihr Können.

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Dem Bruder Revolutionsführer wurde dabei – zumindest nach Meinung der Journalisten – die Show von einem der Ehrengäste gestohlen: von Hugo Chavez, dem Präsidenten Venezuela`s. Er hatte seinen Spaß bei der Feier und gab endlose Interviews für Hinz und Kunz. Demgegenüber gab sich Gaddafi geradezu miesmutig und einsilbig.

Beim darauffolgenden zweiten Höhepunkt des Festes war Chavez allerdings nicht auszumachen: beim angeblich größten Bühnenspektakel auf der „größten Bühne der Welt“. Dort zelebrierten hauptsächlich französische Künstler eine Mega-Show unter dem Motto „Fünftausend Jahr Geschichte in Libyen“.

Nicht nur von den afrikanischen Führern, auch vom Volk selbst war – nicht nur wegen der späten Beginnzeit um 11 Uhr nachts – wenig zu sehen. Bloß ein paar tausend auserwählte Libyer schafften es, in den Genuss des Spektakels zu kommen.

Aber dem bunt gekleideten Führer hat`s offensichtlich gefallen. Hoffentlich.

About: Alfred:

Alfred Huber ist ein österreichischer Kulturwissenschaftler und Journalist, u.a. beschäftigt als Fernseh-Producer für das Nahostbüro der ARD. Er lebt seit vielen Jahren hauptsächlich in Kairo, wo er auch als Universitätslektor für Deutsche Literatur- und Europäische Kulturgeschichte wirkte. Er machte sein Doktorat an der Philosophischen Fakultät der Universität Wien im Fach Orientalistik und er bereist regelmäßig die Arabische Welt und den Nahen Osten.


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