Jemen – (k)eine neue Krise

by Alfred Huber on 17.1.2010 · 0 comments

in Deutsch - German

Niemand weiß es genau. Ich natürlich auch nicht. Viele glauben es aber zu wissen und sie sagen: Der Jemen ist die neue „Hochburg“ von Al-Kaida. Ja, tatsächlich.

y1

Davon sind beispielsweise all die Zehentschaften von Journalisten überzeugt, die aus aller Herren Länder, besser gesagt aus den „Herren-Ländern“ in das wilde Bergland am Tor der Tränen eingefallen sind. Um dort dem Terror ins Auge zu blicken. Das heißt: in die Augen der bösen Terroristen.

Die bekam man natürlich nicht zu Gesicht, dafür präsentierte das Innenministerium in Sanaa eine schnuckelige Anti-Terror-Übung im Wadi Naama. Nach allerhand Knall-und Ballereien wurde auch die Entführung und anschließende Befreiung von weiblichen Geiseln  durchgespielt.

Die Bilder dieses Manövers gingen um die Welt und sorgten dafür, dass das Thema Terror-Bekämpfung die gebührende Aufmerksamkeit erhielt. Es war schon Klasse, wie sich beispielsweise Korrespondenten aus den USA in Szene setzten und vor dieser vermeintlich martialischen Kulisse davon sprachen, wie „well embedded“  die Terroristen in der jemenitische Bevölkerung seien. Ergo: das ganze Land ist quasi dem Terrorismus verfallen.

Und deshalb müsste man es – eigentlich -  retten. Besser gesagt: man müsste das Land angesichts der latenten Probleme unterstützen. Ein paar Spezialeinheiten, hier und dort. Das würde schon reichen.

Das sagt sogar die eigene Regierung. Und vor allem der grimmige Präsident. Um dann gleichzeitig zu betonen, dass man hauptsächlich Waffen und – na ja – moderne Logistik für den Terrorkampf braucht. Tja, damit könnte man vielleicht gleich in einem Aufwaschen auch mit der starken Opposition aufräumen und mit all den unbeugsamen Bergstämmen, die einfach nicht auf die Zentralregierung hören wollen.

Irgendwie finstere Aussichten. Bei all den schwelenden Konflikten in diesem wunderbar traditionellen Staat.  Der vor genau 20 Jahren aus dem Nordjemen und Südjemen zusammengeschweißt wurde. Und jetzt bröckelt dieses fragile gebirgige Gebilde.

Manche kritische Geister glauben, es könnte nun ein ähnliches Szenario drohen wie in Afghanistan oder im Irak, wo ebenfalls der Kampf gegen den Terror zum Eingreifen internationaler Kräfte und Mächte geführt hatte.

Im Gegensatz zur Regierung hält jedenfalls die Bevölkerung im Jemen – das ergaben eigene Gespräche und Recherchen – eine  echte Bedrohung durch allfällige Terroristen von Al-Kaida für Humbug. Und für  Propaganda des Staatsapparats. Die Problemebereiche im Jemen bleiben somit weiterhin mangelnde Bildung, geringe Frauenrechte, sowie Defizite im Wirtschafts- und Sozialbereich.  

y2

Alfred Huber ist ein österreichischer Kulturwissenschaftler und Journalist, u.a. beschäftigt als Fernseh-Producer für das Nahostbüro der ARD. Er lebt seit vielen Jahren hauptsächlich in Kairo, wo er auch als Universitätslektor für Deutsche Literatur- und Europäische Kulturgeschichte wirkte. Er machte sein Doktorat an der Philosophischen Fakultät der Universität Wien im Fach Orientalistik und er bereist regelmäßig die Arabische Welt und den Nahen Osten.

Leave a Comment

Previous post: Kipsissä – osa 4

Next post: Sormet kohmeessa Afrikassa